​Uri Geller auf Abwegen von Lucius Werthmüller

von Lucius Werthmüller

22. Januar 2015

In einem Wettbewerb in neun Folgen suchte der deutsche Privatsender Pro7 in der Show «The next Uri Geller» den Nachfolger des mittlerweile 61jährigen Uri Geller, der als Juror amtete

In einem Wettbewerb in neun Folgen suchte der deutsche Privatsender Pro7 in der Show «The next Uri Geller» den Nachfolger des mittlerweile 61jährigen Uri Geller, der als Juror amtete. Gewinner war der Schweizer Vincent Raven mit seinem Raben Corax. Die Sendungen wurden von drei bis fünf Millionen Zuschauern verfolgt. Nicht nur in Deutschland, auch im israelischen, im US-amerikanischen und im kanadischen TV hat Geller bereits junge Talente gesichtet. 

In den letzten Jahren sind Mentalmagier wie Thorsten Havener und Jan Becker in Deutschland und Tobias Heinemann in der Schweiz durch Auftritte im Fernsehen bekannt geworden. Sie demonstrierten dabei sehr eindrücklich ihre erstaunlichen Fähigkeiten, zum Teil gemischt mit simplen Zaubertricks. Meine Partnerin Sabin und ich wurden an einem Auftritt von Havener auf die Bühne gebeten und in eine Präsentation einbezogen, die uns verdutzt zurückliess. Mentalisten oder Mentalmagier behaupten höchstens zu dramaturgischen Zwecken, dass es sich bei ihren Darbietungen um paranormale Phänomene handle. Sowohl Havener als auch Heinemann äusserten Bedenken, meinen Einladungen an die Basler Psi-Tage zu folgen, obwohl ich Ihnen zusicherte, ihre Darbietungen keineswegs als paranormal anzukündigen. Im Gegenteil war es meine Absicht zu zeigen, wie viel mit Methoden des Körper-, Muskel- und Augenlesen u.a. erreicht werden kann und dass nicht alles paranormal ist, was danach aussieht.
Um an der Show als Teilnehmer zugelassen zu werden, verlangte Pro7 von seinen Kandidaten die vertragliche Zusicherung, über ausgeprägte mentale und paranormale Kräfte zu verfügen. Dieser Passus wurde entschärft, nachdem mehrere Kandidaten sich weigerten, den Vertrag in dieser Form zu unterschreiben. Pro7 ist kein Vorwurf zu machen; ein kommerzieller Privatsender muss immer neue Formate finden, die eine gute Quote und öffentlichen Gesprächsstoff liefern. Es war ein bewusstes Doppelspiel, bei dem die Spannung dadurch aufrecht gehalten wurde, dass gewisse Leute diese Zaubertricks als Psi-Phänomene ernst genommen haben, da die Autorität Uri Gellers dafür bürgen sollte.

Uri Geller ist ein äusserst charismatischer und dynamischer Mensch. Er scheint ein unstillbares Bedürfnis nach grossen öffentlichen Auftritten zu haben, so dass er sogar als Teilnehmer an der britischen Ausgabe der unsäglichen Dschungelshow teilgenommen hat, bei der sich B-Promis auf unglaubliche Art öffentlich demütigen lassen. Es wurde ausdrücklich «The next Uri Geller» gesucht und nicht der nächste David Copperfield oder der beste Mentalmagier. Als Showman muss Uri wissen, dass Image alles ist. Er hat durch seine Rolle als Juror von Zauberkünstlern und durch seine Interpretation dieser Rolle viel aufs Spiel gesetzt. Er ist ein begnadeter Entertainer, aber in dieser Rolle bleibt er einer unter vielen. Seine Psi-Phänome waren einmalig und er eine feste Grösse. Videos auf youtube scheinen zwar zu belegen, dass er schon Hilfsmittel wie Magnete für eine angeblich paranormale Demonstration von psychokinetischer Beeinflussung eines Kompasses zu Hilfe genommen hat. Trotz allem bleibe ich fest überzeugt, dass Uri Geller über echte paranormale Fähigkeiten verfügt. Dazu gehört nach dieser Sendung Mut. Dennoch: Die Erklärungsversuche seiner «Tricks» greifen in vielen Fällen zu kurz. Sie erklären weder seine spektakulären Ergebnisse in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen von renommierten Instituten, noch meine persönlichen Erlebnisse mit ihm. So waren die Gabeln und Löffel, die er vor meinen Augen verbog, nicht präpariert und die innert Minuten keimenden Samen nicht von ihm mitgebracht.

Die Sendung – und die daraus entstandene Diskussion – ist eine Steilvorlage für alle Skeptiker und Wasser auf die Mühlen seines Intimfeinds James Randi. Nichts hat der Sache der Parapsychologie bei uns in den letzten Jahren so geschadet, seit Hoimar von Ditfurth in den 1970er Jahren philippinische Logurgen «entlarvte», indem er Zauberkünstler paranormale Operationen nachstellen liess, und damit «bewies», dass alle diese Operationen getürkt sind.
Es bleibt das schale Gefühl zurück, dass Uri Geller mit dieser Sendung der Parapsychologie einen Bärendienst erwiesen hat und zudem seine eigene Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit verspielt hat.


Über Lucius Werthmüller

Lucius Werthmüller, geboren 1958, setzt sich seit rund 30 Jahren mit allen Grenzgebieten auseinander. Zu seinen Spezialgebieten gehören veränderte Bewusstseinszustände, die Physikalische Medialität und die Erforschung biologischer Energien. Er ist seit 1991 Präsident des «Basler Psi-Vereins». Im Jahr 1994 stiess er als Programmgestalter zum Team der «Basler Psi-Tage» und war von 1999 bis 2007 deren Projektleiter. Im Jahre 2000 erhielt er den Preis der «Schweizerischen Stiftung für Parapsychologie». Er ist Stiftungsrat der Gaia Media Stiftung und war Projektleiter des internationalen Symposiums «LSD – Sorgenkind und Wunderdroge», das im Januar 2006 anlässlich des 100. Geburtstags von Dr. Albert Hofmann in Basel stattfand. Zusammen mit Dieter Hagenbach schrieb er die Biographie «Albert Hofmann und sein LSD», die im AT-Verlag veröffentlicht wurde. Neben anderen Aktivitäten betreibt er ein Buchantiquariat. Lucius Werthmüller ist Vater dreier erwachsener Söhne und lebt mit seiner Partnerin Sabin Sütterlin in Basel.

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